Aus Sicht beider Torhüter war das Derby am Deich ein total undankbares Spiel. Curslacks Keeper Kai Erschens bekam nur zwei Kugeln auf seine Kiste. Beide gingen hinein. Ein Treffer dank seiner Mithilfe (6.). Sarpong lief auf rechts durch und schoss den Ball mit gefühlt fünf kmh auf die Kiste. Erschens sprang zur Seite. Und auch das zweite Tor hätte er in Normalfom sicherlich gehabt (32. Vidosevic schoss aus gleicher Position flach ins Tor.). Sein Gegenüber Lasse Thielen bekam dafür alle zwei Minuten Arbeit. Curslacker Abschlüsse ohne Ende. Und jede Menge Szenen im Strafraum vor Dünebergs Keeper. Dieser hatte ein, zwei gute Szenen. Bei den Treffern war er überfordert, aber schuldlos, weil seine Vorderleute nicht das Tempo der Curslack mitgehen konnten. Immerhin besitzt Thielen einen kräftigen Huf. Vom Boden aus gut. Aus der Hand mit einer großen Streuung. Ausbaufähig.
Curslack hatte spielerisch schöne Kombinationen anzubieten. Häufig nahm der eigentlich schnelle Marcio Johannsen ohne Not das Tempo raus. Um zum Ärgernis seines Trainers immer wieder noch einen und noch einen Düneberger Spieler austanzen zu wollen. Es blieb bei den Versuchen, was „Poschi“ ziemlich auf die Palme brachte. Allerdings besitzt „Poschi“ viel Nachsicht. Und Intuition. Als er Johannsen auswechseln wollte, wartete er noch, bis dieser vollkommen unerwartet das 5:2 erzielte (69.). Marcio lief endlich auf links durch, bekam einen wunderbaren Steckpass von Marvin Möller und nagelte den Ball hoch ins kurze Eck. Nicht unhaltbar, aber schön. Danach rannte er freudestrahlend zur Seitenlinie und wurde von seinem Trainer ordentlich geherzt. Wunderbar! Das Timing der Wechsel? Überragend!
Marvin Möller hat dagegen seine Liga gefunden. Nicht nur, dass er drei schöne Tore erzielte (2. er lief rechts im Strafraum durch und schob ein, 8. Möller aus ähnlicher Position und 61. Kopfballtor nach Ecke Wilhelm). Nein, er wirkte irgendwie nicht ganz austrainiert. Aber bissig und griffig wie in den besten Jahren. Und torsicher. Mölle stand dort, wo ein richtig guter Goalgetter sein muss. Auch ganz wunder bar.
Das 6:2 entsprang einer ganz feinen Kombination. Wilhelm auf Möller. Der auf Winterfeld. Dieser passt quer auf Beldzik zum letzten Treffer (75.)
Ebenso fein anzusehen, war Maestro Witalij Wilhelm, der nach wie vor das Spiel der Curslacker lenken und leiten kann, großartige Standards schießt und wie ein guter Dirigent, seine jungen Mitspieler einsetzt. Nicht von der feinen Sorte war ein übler Tritt von Dünebergs Stürmer Michael Ening. Nach einem Zweikampf mit Jonas Holz gingen beide auf den Boden. Ening trat sichtbar nach. Und traf Holz unglücklich im Gesicht. Verdacht auf Bruch des Jochbeins. Schlimm genug, dass Schiedsrichter Rosengarth und sein SRA 1 Fynn Rohde dieses Nachtreten übersahen, ließ Rosengarth zunächst keine Behandlung zu. Der Phsysio rannte dennoch auf den Platz. Und erhielt die gelbe Karte. Das zog verständlichen Protest nach sich. Aber „Poschi“ beruhigte ihn und die Bank. Herausragendes sportliches Verhalten! Poschmann: „Das war ein klares Nachtreten. Ein ganz böses Foul. Aber lautstarker Protest hätte doch nur noch mehr Unruhe hinein gebracht.“ Unverständlich, weshalb die Schiedsrichter dieses Nachtreten nicht erkannten. Und um eines klar zu stellen. Wir unterstellen Ening nicht, dass er Holz im Gesicht treffen wollte. Von dieser Stelle wünschen wir gute Genesung an Jonas Holz!
Es bleibt das Schlusswort bei Dünebergs Trainer Gehrke. Der bemerkenswert positiv und ehrlich meinte: „Es ist doch klar, dass wir bei diesem Rückstand auf das rettende Ufer zweigleisig planen, Aber wir geben uns nicht auf. Und dann sehen wir von Woche zu Woche. Vielleicht gelingt es uns, kommende Woche Schwarzenbek mit in den Abstiegskampf zu ziehen.“
Stimmen:
Stefan Gehrke (Trainer Düneberger SV): Ich denke mir, wir haben von der Sache her zwar 6:2 verloren, was sich deutlich anhört, aber wir haben heute fünf sechs wirkliche Leistungsträger nicht dabei gehabt. Mussten mit einem Spieler der Zweiten anfangen, haben einen Altherren-Spieler eingewechselt. Und daher muss man der Mannschaft wirklich ein Kompliment machen. Nach einem schnellen Rückstand sind wir sofort zurück gekommen und nach einem erneuten Rückstand zurück gekommen, dass war groß von den Jungs. Nachher ab der 70. Minute und dem 4:2 ist das Spiel sicherlich ein bisschen gekippt. Man kann den Jungs keinen Vorwurf machen. Fürs erste Spiel gegen den Tabellenzweiten, die Ambitionen nach oben haben, war das heute ein Top-Auftritt der Jungs
Olaf Poschmann (Trainer SV Curslack-Neuengamme): Es ist ja immer so, dass man im ersten Spiel nach der Winterpause und einer wackligen Vorbereitung nicht weiß, wo man steht. Aber insgesamt war es ein völlig verdienter Sieg, dass muss man mal an dieser Stelle sagen. Was mich so ein bisschen ärgert, was ich auch angesprochen habe, sind die beiden Gegentore, wo wir uns nicht gut angestellt haben. Das waren zwei fast identische Gegentore. Beim ersten Gegentreffer hat sich unser Torwart nicht gut angestellt. Aber in der der zweiten Halbzeit hatte Düneberg wirklich gar nichts mehr, nicht eine wirklich Torchance. Und so konnten wir das Ergebnis noch ein bisschen hochschrauben. Wir waren vielleicht etwas zu verspielt. Haben noch mal und noch mal quer gelegt. Aber mit dem Auftaktsieg bin ich dennoch völlig zufrieden.
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